Dietrich Ulsen

Mediziner mit Interesse an der Astronomie.

* ca. 1460 im ostfriesischen Zwolle  ; †1508 in der niederländischen Stadt Herzogenbusch

Lebenslauf:

Ulsen stammte aus dem ostfriesischen Zwolle und studierte wahrscheinlich in Heidelberg und Italien Medizin. 1487 wurde er als Stadtmedikus in Kampen angestellt. Sein Versuch, eine Anstellung am Hof des Bischofs David von Burgund (1427-1496) zu erhalten, schlug fehl. Stattdessen findet man ihn um 1490 in Deventer, wo er wohl wieder Stadtmedikus war. Zwischen 1492 und 1501 hielt er sich in Nürnberg auf. Hier war er mit dem bekannten Stadtarzt und Verfasser der Weltchronik Hartmann Schedel (1440-1514) sowie mit dem Kartäusermönch Gregor Reisch (ca. 1467-1525) befreundet, der der Beichtvater von Maximilian I. (1459-1519) war. Mitte 1501 verlor Ulsen durch den Bankrott des Kaufmanns Conrad Bachanter sein gesamtes Vermögen – was er wohl mit großem Gleichmut trug - und konnte sich nicht mehr in Nürnberg halten. Damals soll er Leibarzt des Kaisers Maximilian geworden sein und in diesem Jahr bei der Aufführung der „Ludus Dianae“ (Spiele der Diana) vor dem Kaiser in Linz mitgewirkt haben. Anfang 1502 findet man ihn als Mitglied der medizinischen Fakultät in Mainz. Von 1504 bis 1505 soll er Professor der Medizin in Freiburg gewesen sein. Der Kontakt nach Nürnberg scheint nicht abgerissen zu sein, denn Mitte 1505 besuchte er zusammen mit Anton Tetzel (?-1514) und Willibald Pirckheimer (1470-1530) den Reichstag in Köln. Von 1505 bis 1508 war er Arzt in Lübeck und Leibarzt der Herzöge von Mecklenburg. Danach zog er in die Niederlande, wo er in der kleinen Stadt Herzogenbusch starb, die etwa 80 Kilometer südwestlich von Amsterdam liegt.

Wirken:

Die auf Pergament gestochenen Himmelskarten von 1503, die Albrecht Dürer (1471-1528) als Vorlage für seine Karten von 1515 dienten, tragen die Namen von Conrad Heinfogel (?-1517), Sebastian Sperantius (?-1525) und Dietrich Ulsen. Diese Karten entstanden im Umfeld von Conrad Celtis (1459-1508), mit dem Ulsen eng befreundet war. Von Heinfogel gibt es ein gezeichnetes Blatt, das eine „Karte der Winde“ darstellt. Die Überschrift lautete: Sunt in summa 64 ventorum species secundum Ulsenium frisium, nach dem Friesen Ulsen gibt es 64 verschiedene Winde. Das dort aufgeschriebene Gedicht von Ulsen über die Winde findet sich auf der Südkarte von 1503. Ulsen war also an der Entstehung dieser Karten beteiligt, wenn er sich auch 1503 längst nicht mehr in Nürnberg aufhielt.

Von Ulsens Interesse für die Astronomie zeugt auch ein von ihm verfasstes astrologisches Prognosticon auf das Jahr 1488. 1496 erschien bei Hans Mair in Nürnberg ein Flugblatt, das sich mit der Syphilis beschäftigte. Der Text stammte von Ulsen, der Holzschnitt von Albrecht Dürer. Zu sehen ist ein mit Federhut bekleideter Mann, der an Gesicht, Armen und Beinen mit Geschwüren bedeckt ist. Über ihm ist ein Tierkreis abgebildet, auf dem die Zusammenkunft aller Planeten mit Ausnahme des Mars im Sternbild Skorpion gezeigt wird. Nach damals weit verbreiteten astrologischen Regeln war der Skorpion für die Geschlechtsteile der Menschen zuständig. Dazwischen steht die Jahreszahl 1484, in dem diese Konjunktion stattfand, die somit für den Ausbruch der Syphilis verantwortlich gemacht wurde.

Literatur:

Links:



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